Herzlichen Dank für die Gelegenheit, als Enkelin eines der Komponisten, aber auch als politische Bildnerin bei der Amadeu Antonio Stiftung heute auch hier zu Ihnen sprechen zu dürfen.

Der Komponist Manfred Schlenker (1926-2023) war 20 Jahre jünger als Dietrich Bonhoeffer. Er geriet mit 17 Jahren als Flakhelfer, dann als Wehrmachtssoldat in den Krieg mit all seinen Abgründen. Eine sowjetische Feldwebelin befreite ihn am 8. Mai 1945 in Kurland von seinem verhassten Schießgewehr. Es folgten 5 Jahre Kriegsgefangenschaft in Riga und Tallin, bevor er endlich studieren durfte und in der DDR Kirchenmusiker wurde. Bonhoeffers Glaubensüberzeugung hatte sich ihm in der Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte tief ins Herz gebrannt.

1973 erschien erstmals seine Melodie zum Lied „Von guten Mächten“ im Heft „Neue Gemeindelieder II“. 1989 komponierte er die sieben Strophen durch, sodass eine vierstimmige Liedmotette entstand, die später einen von zwei Teilen seiner Bonhoeffer-Motette bildete. Einen seiner letzten Aufträge, nämlich den des Ensemble Nobiles, die Komposition für vierstimmigen Chor und fünfstimmiges Ensemble einzurichten, erfüllte er gern. Die Manfred-Schlenker-Gesellschaft freut sich, dass die Liedmotette nun in neuem Gewand in der für sie vorgesehenen Besetzung erklingen kann.

Sich an der Musik freuen und stärken. Und „mit der Hand ins Rad greifen“.

Bonhoeffer und seine Mitopfer mussten in der Morgendämmerung des 9. April 1945 nackt bis zu ihren Galgen gehen.

Rechtsextrem, vor allem rassistisch motivierte Gewalt- und andere Straftaten sind in Sachsen schon 2024 um ein Drittel angestiegen, die Zahlen für 2025 liegen aller Voraussicht nach erneut höher.

Alle sind gefragt, sich gesellschaftspolitisch für Menschenrechte und -würde einzusetzen. Das ist keine Aufgabe der Expert*innen, der links Verorteten, der Anderen, schon gar nicht der zu Anderen gemachten.

Ich möchte Ihnen – bevor wir uns von der Kunst berühren lassen dürfen – einen Moment der Stille geben und Sie um etwas bitten: Denken und spüren Sie in sich hinein, was Sie noch tun können, um menschenverachtender Gewalt Einhalt zu gebieten und andere zu unterstützen. Oft sind die ersten Impulse die richtigen.

[Schweigeminute]

… und im Geiste der wenigen unserer Vorfahren, die ihr Leben für die Menschlichkeit ließen oder es ihr widmeten: Was ihnen in der Stille in den Sinn kam – bitte tun Sie es auch!